Samstag, 1. März 2014

Tipps rund um Computer-Lautsprecher und Klangqualität

Die meisten in Laptops, Monitoren und Computern eingebauten Lautsprecher haben leider immer noch die durchschnittliche Tonqualität eines Bindfadentelefons. Die üblichen Billig-Lautsprecher aus dem Media-Laden sind kaum besser. Gerade für Blinde gibt es aber gute Gründe, ein wenig Geld für Qualität auszugeben.

Zum einen schonen bessere Lautsprecher die Ohren und vermeiden Ermüdungserscheinungen bei längerer Arbeit mit dem ScreenReader. Zum anderen ermöglicht eine bessere Tonqualität auch ein höheres Sprechtempo und sorgt damit für effizienteres Arbeiten. Guter Sound schult außerdem die Ohren, während schlechter Sound eher abstumpft, und das gilt für unser Hören insgesamt. Und last but not least ist richtig guter Musikgenuss ja schließlich auch ein Argument.

Anfangen möchte ich mit einigen Tipps zur Aufstellung und Einstellung der Lautsprecher, denn hier können einige kleine Korrekturen oftm bereits deutlich hörbare Verbesserungen bringen:
  • Ihr solltet auf ein korrekte Stereobild achten. Im Idealfall sollten beide Lautsprecher gleich weit entfernt von und im gleichen Winkel zu den passenden Ohren entfernt stehen. Damit steigt nicht nur der Hörgenuss bei Musik, auch die Arbeit mit Stereo-Effekten wie z.B. bei NVDA Mauskoordinaten oder akustisch datgestellten Kurven wird leichter.
  • Lautsprecher sollten im Idealfall auf Ohrenhöhe stehen und direkt auf die Ohren zeigen (meine residieren auf Bücherstapeln). Falls das nicht geht, sollten sie aber zumindest auf die Ohren zeigen, also ein bisschen gekippt hingestellt werden.
  • Auch Computer-Lautsprecher und Nahfeldmonitore haben die Angewohnheit, mit dem Schreibtisch zu sprechen. Die winzigen Gummistopper unterm Gehäuse machen dabei kaum einen Unterschied. Abhilfe schafft akustische Trennung, entweder professionell über ISO-Pads (gibt's zum Beispiel bei Thomann) oder etwas weniger professionell mit Schockabsorbern (gibt's z.B. bei Amazon) oder schlicht und einfach mit einem kleinen Stück Schaumstoff (Styropor funktioniert meist nicht besonders). Das verhindert Vibrationen bei tiefen Frequenzen und, ob ihr es glaubt oder nicht, verbessert tatsächlich den Klang. Die ISOpads von Thomann kann man übrigens auch zum Schrägstellen der Boxen benutzen.
  • Bei Aktivlautsprechern konkurriert die Lautstärkeregelung am PC mit der am Lautsprecher. Grundsätzlich sollte man eher die Quelle (den PC) lauter machen. Je weniger der Verstärker in den Boxen zu tun hat, desto besser der Klang. Auf vollem Anschlag sollte der PC aber meist nicht laufen, denn die kleinen Verstärker auf der Soundkarte fangen im Grenzbereich gerne an zu zerren. Wer wie ich den Lautstärkeregler auf der Tastatur benutzt, der muss aber ohnehin die beiden Lautstärkeregler so abstimmen, dass die PC-Lautstärkereglung auch praktischen Sinn ergibt, also den gewünschten Lautstärkebereich abdeckt.
  • Und wo wir gerade dabei sind: ihr solltet tunlichst die Finger von irgendwelchen tollen Effekten und Equalizer-Einstellungen per Soundkarte lassen, die haben meist eine extrem zerstörerische Wirkung auf den Klang. Wer sich auskennt, der kann vielleicht mal ein paar Tiefen rausnehmen, aber mehr sollte es nicht werden. Die sogenannten "Klangverbesserungen" sind in Wahrheit reine psychoakustische Effekte, die sich auf Dauer ins Gegenteil verkehren (Stichwort z,B. Loudness-Kurve) und oftmals zu schnellerer Ermüdung der Ohren führen.

Was die Modellauswahl angeht, so liegt die tief im Bereich persönlicher Vorlieben. Ich persönlich nutze Tannoy 601A Studio-Nahfeldmonitore, aber die sind nicht ganz billig. Deutlich günstiger gibt's die Ediffier RT1600 Plus, die ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis haben und im Gegensatz zu "echten" Nahfeldmonitoren über eine zentrale Lautstärkeregelung verfügen (bei mir muss das die Tastatur erledigen). Und edel aussehen sollen sie auch.

Ein paar kleine Tipps zum Einkauf:
  • Der Verkäufer in der Computer-Abteilung ist kein Experte für optimale Klangqualität, sondern ein Experte für schnelles Verkaufen von Dingen, die der Laden loswerden will.
  • Im Laden klingt fast alles gut. Am besten dort kaufen, wo man problemlos zurückgeben kann.
  • Beim Kaufen sollte man seine eigene Musik dabei haben, und zwar Lieder, die anspruchsvoll klingen (breites Klangsprektrum) und die man in- und auswendig kennt.
  • Wer es sich leisten kann, der sollte definitiv besser kaufen, als er hört. Damit meine ich, eine höherem Qualitätsstufe kaufen als die Ohren unterscheiden können. Letzteres ändert sich nämlich schnell, wenn die Ohren etwas ordentliches zu hören bekommen.
  • Die Boxen auch auf höheren Lautstärken testen. Das übertönt die Umgebungsgeröusche und offenbart oftmals Schwächen wie Klirren oder Wummern.
  • Solide Bauweise, Größe und Gewicht sind bei Boxen von Bedeutung (seltene und meist teure Ausnahmen bestätigen die Regel)
  • Boxen haben immer und ohne Ausnahme einen Anwendungszweck. Einen Meter von den Lautsprechern entfernt ist ein anderer Anwendungszweck als das Beschallen eines 50 m² Wonzimmers.
  • Die Wattzahl ist kein Qualitätsmerkmal für Lautsprecher. Sie gibt lediglich eine sehr grobe Orientierung über die technisch mögliche Lautstärke, und selbst dazu taugt sie nicht allzu viel.
  • Ein ordentliches Audiokabel ist vorteilhaft. Fest mit der Box verdrahtete Audiokabel sind es nicht.
  • Produktbewertungen auf Webseiten sind zwar nicht uninteressant, aufgrund der extrem individuellen Wahrnehmung von Klang und den zahllosen Einflussfaktoren aber kaum hilfreich in Sachen Einschätzung der Klangqualität.
  • Bluetooth ist praktisch, denn man spart Kabel, es geht aber auch auf den Klang. Airplay schränkt zwar die Modellauswahl massiv ein, scheint aber Besserung zu bringen, da fehlt mir aber die Erfahrung. Für den normalen Schreibtischeinsatz mit Stereoboxen ist Bluetooth aber nun wirklich nicht nötig, und ich würde in diesem Fall die Boxen immer ans Kabel hängen.
  • Und was die Zahhlen und die Punkte angeht: 2.1, 5.1, 7.2 und andere Konzepte sind für Spiele oder zum Filme schauen durchaus interessant, für normales Arbeiten sind sie aber bestenfalls irrelavant und für Musik sind sie i.d.R. wenig bis garnicht geeignet. Musik wird in nagezu allen Fällen auf Stereo gemischt. Jeder nachträgliche Eingriff beschädigt den Klang, und das Ergebnis verwirrt die Ohren. Wer guten Musikklang will, der sollte sein Geld lieber in bessere Stereoboxen als in sinnfreie Subwoofer und komplexe Boxenarrays investieren, für die einfach kein Quellsignal vorhanden ist. Wer hier Probleme hat, seinen Kopf aus dem Marketinggeschwafel von Logischrott & Co. zu befreien, der sollte sich mal in das Thema Dolby Surround Mixing einlesen, also den tatsächlichen Prozess, durch den ein Toningenieur Dolby Surround Sound erzeugt. Es ist ein wenig komplizierter als eine Frequenzweiche. Wie gesagt, für Spiele und Filme ist es klasse, aber für Musik eher ungeeignet.
  • Und zum Schluss gibt es noch eine kleine Faustregel: je weniger man in den Signalweg eingreift und je weniger konvertiert werden muss, desto besser für den Klang. Das optimale Klangergebnis befindet sich an der Quelle, also in der MP3-Datei, auf der CD oder woher der Klang auch immer stammt. Ziel ist es, diesen Klang so unverfälscht wie möglich in den Raum zu bringen. Weniger ist da fast immer mehr. Und für die Klangprofis: natürlich spreche ich damit nicht gegen Boxentuning oder Raumabstimmung, deren Feinheiten brauchen aber nunmal einiges an Wissen und Übung, und wer sich nicht auskennt, richtet meistens mehr Schaden als Nutzen an. Um es mit den Worten des unsterblichen David Briggs zu sagen: "could you patch from here to here?".

Kommentare:

  1. Ein großes Dankeschön für diesen ausführlichen Artikel, der mit geholfen hat, deine Wahrnehmung besser zu verstehen. Ich arbeite gerade an einer Seite über PC-Lautsprecher und möchte diese natürlich auch möglichst gut auf die Bedürfnisse blinder Menschen ausrichten.

    LG
    Nicole von http://www.pclautsprecher-test.net/

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  2. Ich habe die 2.0 Speaker für Pc von Teufel und bin sehr zufrieden. Ganz klarer trockener Bass. Leider gibts die nicht mehr. Habe mir gerade die Bt Bamster bestellt. Im Angebot für 80 statt 130 Euro und versandkostenfrei.

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