Montag, 10. März 2014

Buchvorstellung: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser (Verena Bentele)

Bücher zum Thema Blindheit in deutscher Sprache sind eher selten, und paradoxerweise oftmals nicht als Hörbuch verfügbar. Umso interessanter fand ich es, von Verena Benteles Buch zu hören. Also gleich gekauft und gelesen.

Schon die Autorin macht neugierig: Verena Bentele, die dieses Buch zusammen mit Stephanie Ehrenschwendner geschrieben hat, ist nicht nur ein feststehender Begriff in der Welt des Spitzensports, spätestens seit ihrer Ernennung zur Behindertenbeauftragten der Bundesregierung ist sie auch auf dem großen politischen Parkett sichtbar geworden.

"Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser" heißt ihr Buch, und dieses einer der üblichen Kategorien zuzuordnen erscheint beinahe unmöglich. Es ist eine Mischung aus Autobiographie, Motivationsbuch, Selbsthilferatgeber und Erfahrungsbericht. Blindheit ist wie erwartet ein zentrales Thema dieses Buches, es ist aber nicht das Einzige. Weite Teile des Buches beschäftigen sich mit der Erreichung von Zielen, mit der Selbstmotivation und dem Zusammenarbeiten mit anderen.

Die autobiographischen teile des Buches fand ich sehr interessant. Es ist viel Überraschendes dabei, so manches Erheiternde und so manches Traurige. Mit ihren Mitmenschen geht Verena Bentele dabei eher nett um, und oftmals hören wir mehr über ihre eigenen kleinen Fehltritte als über die der anderen. Meist überlässt sie einfach dem Leser die Beurteilung einer kritischen Situation, und dank einer wohlkaum abstreitbaren leichten Unfallneigung der Autorin gibt es davon genug.

Was die Aspekte des Erfolgstrainings innerhalb des Buches angeht, so fang ich darin manches Interessante, aber wenig Neues. Wie viel dieses Buch dem Leser bringt, wird stark davon abhängen, wie dieser sein Leben lebt und was er oder sie vorher gelesen hat. Aber auch wenn ich diese Teile gelegentlich ein kleinwenig langatmig fand, und auch wenn einige Herausforderungen meiner Erfahrung nach doch etwas zu stark vereinfacht dargestellt sind, so fand ich doch auch diese Teile des Buches durchaus lesenswert.

Den Abschluss des Buches bildet Verena Benteles ganz persönliche "Blindipedia". Hier schreibt sie von A bis Z über all die Dinge, die sie als Blinde von Sehenden gefragt wurde und wird. Als Blinder kann man hier viel nicken, oft ein wenig schmunzeln und gelegentlich auchein wenig schnaufen. Sehende, die sich mit der Materie noch nicht so ausführlich beschäftig haben, dürften hier jede Menge Interessantes und Wissenswertes erfahren, von Kocgen bis Flirten, von Einkaufen bis zur Handybenutzung. Die Sprache ist dabei bewusst so gewählt, dass auch laien verstehen, worum es geht.

Das Buch kommt auf fünf CDs daher, sehr interessant und professionell gelesen von Gabi Franke.

Ein Fazit über dieses Buch zu ziehen fällt nicht leicht. Insgesamt bin ich mit der Kombination aus einer Art schriftlichem Coaching auf der einen und Autobiographie auf der anderen Seite nicht so ganz glücklich geworden. Das Buch macht den Eindruck, als wüsste es über weite Strecken nicht so richtig, was es eigentlich sein möchte und wohin es eigentlich will. Davon abgesehen gibt es aber viel Interessantes, so manchen spannenden Moment und eine Reihe nützlicher Anregungen. Daher gibt es zum Schluss von mir persönlich dann doch das Prädikat lesenswert. Und falls sich Verena Bentele entsheiden sollte, nochmal eine echte Autobiographie zu schreiben, so werde ich definitiv wieder zur Leserschaft gehören.

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